Die Jamgeschichte von Neede

1903, also vor mehr als hundert Jahren, wurde in Neede am Stationsweg von der "Tuinbouwmaatschappij Gelderland", eine Marmeladenfabrik eröffnet. Die Fabrik wurde im Volksmund ’n Jam genannt. Bis in die Krisenjahren um 1930, fanden viele "Achterhoekers" Arbeit in dieser international bekannten Fabrik. Erst seit etwa der Jahrhundertwende wird das englische Wort "jam" (=zusammenpressen) auch in der niederländischen Sprache verwendet. Was haben denn die beklagenswerte Niederländer vor 1900 aufs Brot gegessen? Natürlich Jam, nur wurde es bis dahin "Gelee" bzw. "Confiture" genannt. Es gab in den Niederlanden bereits Jamfabriken bevor das Wort Jam gebräuchlich war. Die bekannte Firma "De Betuwe" aus Tiel gibt es schon seit 1885.
Wenige Menschen werden wissen, dass es neben Tiel noch einen Ort in Gelderland gab wo Jam produziert wurde: Neede.
Man könnte sagen die Needer Jamgeschichte hat am 1. September 1886 anfgefangen. An dem Tag kam Gerardus Johannes Voerman nach Neede. Er kam aus Rheden und war mit Gerharda ter Weeme. aus Neede verheiratet. Anfänglich war er Gemeindesekretär. Aber in 1896 kündigt er um sich voll die von Ihm gegründete Gärtnerei in Rietmolen (ein kleiner Vorort von Neede) zu widmen.
Die Gärtnerei fließt 1897 in eine von Voermann gegründete Gesellschaft. 1898 wurde daraus die N.V. Tuinbouwmaatschappij “Gelderland”.
Der passionierte Gärtner Jelle Beenen, der 1899 nach Neede kam um als Betriebsleiter zu arbeiten, half Voerman ei in Rietmolen eine florierende Gärtnerei aus dem Boden zu stampfen. Anfangs wurden Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren angebaut, aber schon bald wurden auch Obstbäume gepflanzt. Der Erfolg war anscheinend so groß, dass die Tuinbouwmaatschappij “Gelderland” im Februar 1902 einen Antrag für den Bau einer kleinen Fabrik in Rietmolen zur Verarbeitung von Obst und Gemüse stellte.
Über diesen kleinen Betrieb, der in einer Scheune von 12 x 12 Meter untergebracht war, ist wenig bekannt. Wahrscheinlich wurden hier aber nur Fruchtsäfte hergestellt. Doch muss man sagen, dass dieser Betrieb als Vorläufer der Needse Jamfabrik angesehen werden kann.

Schon ein Jahr später, in Februar 1903, suchte die Tuinbouwmaatschappij “Gelderland” bei dem Needer Gemeinderat um die Erlaubnis zum Bau einer Fabrik für Fruchtmarmeladen an der Sationsweg in Neede nach. Nachdem man sich, nach einigem Hin und Her, über die Einleitung des Abwassers in einen angrenzenden Graben der Gemeinde geeiniget hatte, wurde die Baugenehmigung erteilt. Mit allen verfüghbaren Kräften muss gebaut worden sein, denn bereits ein halbes Jahr später wurde die Fabrik in Betrieb genommen.

Ausser den Herren Voerman und Beenen muss noch jemand erwähnt werden, der eine wichtige Rolle in der Needer Jamgeschichte gespielt hat: Nicolaas Lysen. Er kam Zutphen und meldete sich am 12 April 1902 bei der Gemeinde an. Er war 22 Jahre alt und wohnte bei der Familie des Großbauern Willem Arnold Becking im Herrenhaus Huize de Kamp. Nach kurzer Zeit schon war Lysen Stellvertreter de Direktors der Tuinbouwmaatschappij. In 1911 heiratete er die Tochter seines Chefs: Henriëtta Pietronella Voerman. Nach dem Rücktritt von Voerman leitete Nicolaas Lysen das Unternehmen.
Um 1918 war die Blütezeit der Fabrik; etwa 80 Mitarbeiter waren zu dieser Zeit in der Fabrik "’n Jam” tätig. Deshalb wurde auch wieder bei der Gemeinde einen Antrag um Ausbreitung der Fabrik gestellt. Die Genehmigung wurde unter der Bedingung, dass für das Abwasser eine vernünftige Lösung gefunden würde erteilt. Anscheinend war das bis dahin nicht zur allgemeinen Zufriedenheid gelöst.
In diesem Zusammenhang ist es interessant zu lesen wie damals Umweltthemen behandelt wurden.
So schrieb die Gesundheidskommission aus Lochem am 10 Januar 1919 dem Gemeinderat in Neede, dass genau kontrolliert werden müsste wie das Ergebnis der Abwasserreinigung erreicht werde und wie es auszusehen hätte: ..., dass ein Steckling (Fisch: Gastrosteus aculeatus L.), in einem halben Liter des gereinigtem Abwassers, in einem genügend großer Flasche mit Sauerstoff, bei 16 Grad nicht innerhalb einer Stunde sterben oder deutliche Zeichen von Vergiftung zeigen darf.... Das waren die damaligen Umweltmessmethoden.

Ausser Jams, die unter den Marknamen SUPERBA und SUPRA auf den Markt kamen, wurden auch Fruchtsäfte und Limonaden hergestellt. Auch gab es eine eigene Abteilung für kandierte Früchte. Hier wurden ausserdem noch Bonbons, Fondats und Fruchtkekse hergestellt, so dass man mit Recht von einem vielseitiges Unternehmen sprechen kann. Der größte Teil der Prouktion wurde exportiert, hauptsächlich nach Schweden, Asien (Indien und Indonesien) und Süd-Amerika.


Auch die Gärtnerei und die Obstgärten florierten so, dass 1920 in Rietmolen 40 Mitarbeiter angestellt waren. Zählt man die 80 Mitarbeiter in der Fabrik dazu, wirdt deutlich, dass die Tuinbouwmaatschappij Gelderland in Neede und Umgebung ein bedeutender Arbeitgeber war. Daher ist es umso bedauerlicher, dass auch dieser Betrieb es nicht geschafft hat mit der ökonomischen Krise der 30iger Jahren des letzten Jahrhunderds fertig zu werden. Die hohen Transportkosten von Europa aus und die große Konkurrenz von australischen Firmen auf dem Asiatischen Markt, haben dem Betrieb zugesetzt. In 1931 – es arbeiten nur nog 23 von ehemals 80 Mitarbeitern, – wird die Produktion eingestellt. Die Rezepte und den Kundenstamm werden an Taminiau (Teo) in Elst verkauft. Direkor Lyssen wurde bei Taminiau Leiter der Exportlabteilung und Generalvertreter für Specialitäten. In 1939 wurden die Gebäuden der Fabrik abgerissen. Die Gärtnerei zog von Rietmolen nach Neede an den Borculoseweg und schloss letzendlich dann während des Zweiten Weltkrieges. 1991 knüpfte man in Neede an die Jamgeschichte an. Seitdem gibt es jedes Jahr "de Nationale Jammarkt".
